Armin und die Blume

An einem milden Frühlingsmorgen wurde Armin, dem Verrückten, in der Stadt eine Blume geschenkt, deren Bewahrung er sich im selben Moment schwor, war er doch von einer großen Leidenschaft und Bewunderung über die Schönheit jener Blume ergriffen. Er lachte und krächzte, dass seine abgewetzten Lumpen wackelten, ja beinahe fielen sie ihm vom Leib, so heftig schüttelte er seinen Körper in Freude, hob die Blume etliche Male in das Sonnenlicht, musterte und bestaunte sie, lachte erneut, sprang auf und sang unbekannte Lieder in einer unbekannten Sprache. Die Fußgeher wechselten bei diesem Anblick oft die Straßenseite, spuckten aufs Trottoir und legten die Gesichter in grimmige Falten. Nicht genug: Einige Männer und Frauen blieben obendrein stehen, schrien und kreischten in unverständlichen Lauten, wobei sie in großer Wut mit den Gehstöcken drohten, dass dem Verrückten angst und bange wurde. Schon griff er die Blume fester und floh mit schnellen Schritten aus der Stadt.
Dort, abseits der Mauern, auf einer großen Wiese, welche hügelig gelegen von verschiedenen kleinen Wäldern umsäumt lag, versammelten sich die Verrückten vor ihrem großen Haus, das in früheren Zeiten ein Bauernhof gewesen, um sich friedlich in ihre eigenen Gedanken zu vertiefen. Oft standen sie in kleinen Kreisen vor dem Haus und wechselten seltsame Worte miteinander, oftmals führten sie auch fremdartige Selbstgespräche in stotterndem Ton. Andere nahmen sich bei der Hand, lächelten, lachten und tanzten über das Gras. Die meisten waren trotz ihrer zerzausten Haare, den dreckigen Lumpen sowie den gelben Zahnreihen von ungewöhnlicher Schönheit. Viele trugen ein besonderes Kleid.
Hierhin flüchtete Armin, um die Blume zu bewahren, die ihm am Morgen das Mädchen, welche Armin in tiefster Freude und Hingabe täglich in der Stadt aufzusuchen pflegte, auf dem Blumenmarkt geschenkt hatte. 
Schon erreichte er die rettende Wiese, zückte die Blume und zeigte sie den Verrückten vor, welche ihre Angelegenheiten augenblicklich einstellten, um sich von Farbe und Gestalt der wundersamen Blume trösten zu lassen. Schnell versammelten sie sich alle, bis sie Armin gänzlich eingekreist, und standen dort in großer Ergriffenheit und Freude. Da ging ein leichter Wind über die Wiese und ihm folgend immer lauter werdendes Hufgetrappel, bis schließlich eine Gruppe Räuber die Versammlung erreichte. Gemächlich stiegen sie von ihren Pferden herab, um das seltsame Spektakel näher zu erkunden. Ihr Hauptmann, ein haariger, groß gewachsener und stämmiger Mann, trat zwischen den Verrückten hindurch, bis er Armin, den Blumenträger, erreichte. Ebenfalls von der Schönheit jener Blume überwältigt, griff der Hauptmann sogleich gierig nach ihr, wollte er doch dieses wundersame Geschöpf sein Eigen nennen. Über diese Handlung erschüttert, flehten und raunten die Verrückten in Angst. Armin aber wehrte sich mit allen Kräften, bis der Räuber seine Hand in einen eisernen Griff nahm, um mit der anderen nach der Blume zu greifen. Als Armin auch hier nicht nachgab und den zitternden Körper mit letzten Kräften in jede Richtung zerrte, riss ihm der Hauptmann die Blume aus der Hand, dass sie in alle Teile zerfiel. Da ging ein großes Heulen und Klagen durch die Reihen der Verrückten, sie rauften sich die Haare, fielen einander mit nassen Augen in die Arme oder schrien in größter Not und Angst über ihr Unheil. Die Räuber aber lachten nur und schnitten ihnen die Hälse durch.