Große Gefühle

Der kleine Junge trug ebenso kleine holzbeschlagene Lederschuhe. Er hatte schwarzes, lockiges Haar und auch kleine trottelige Finger und seine Schritte waren klein und unsicher. Immerfort beobachtete er den großen Vogelschwarm. Jeden Tag, wenn er den steinernen Radweg von der Schule nach Hause lief, blieb er am großen Betonsee stehen und beobachtete, während über ihm die Wolken grau davonzogen. Selbst wenn der zornige Ziehvater es verbot, dass er sich verspätete, mal schrie und tobte, so kam er nicht umhin. Mit den kleinen dunkelbraunen Augen musterte er die große Vogelschar, presste die Lippen gespannt zusammen, staunte, lauschte und liebte. Liebte und liebte. 
An einem anderen Tag, da stand er wieder da, der kleine Junge. Der Wind brauste ihm kühl durch die Haare. Da plötzlich klackerten die Vögel mit den Flügeln, schlugen auf und flogen alle davon. Der kleine Junge aber rannte nach dem See, dass die Holzsohlen lärmten, griff mit den kleinen Fingern immerfort in die Luft, griff nach dem kühlen Himmel, in den die Vögel zerstoben, keuchte und ächzte. Die Vögel indes zogen nur einige schöne Kreise und verschwanden ein für allemal. Da kamen dem kleinen Jungen große Tränen, er schlug die Hände vor das Gesicht und weinte. Weinte und weinte.