In der Sprechstunde

»Was ist nur mit Ihnen geschehen?«, fragte der Arzt, indem er seine Brille zurechtrückte.
»Ich habe mich in einen Kürbis verwandelt«, sagte der Kürbis. 
»So so.«
»Ja. Mit mir verhält es sich so, dass ich es mit der Ungeduld überhaupt nicht mehr aushalten konnte, weshalb ich mich plötzlich eines Tages verwandelte.«
»Aha.«
»Das Leben als Kürbis ist aber keineswegs besser. Weil ich zuvor in der Liebe und im Leben stets zu schnell oder voreilig handelte und die Menschen sich bedrängt und auch überfordert fühlten, bin ich nun natürlicherweise bewegungslos, um Schaden von mir und anderen abzuwenden. Davon versprach ich mir eine lebenswerte Zukunft. Aber das trifft leider nicht zu.«
»Sicher nicht, Kürbis.«
»Ich bin also zu Ihnen gekommen, weil ich nun ratlos und verzweifelt bin. An mein voriges Leben ist nicht zu denken, aber dieses hier entspricht gar nicht meinen Vorstellungen. Herr Doktor, warum muss ich stets in höchster Ungeduld und Entfernung zur Liebe leben?«
»Weil Glück und Unglück auch für Kürbisse unumstößlich bleiben«, antwortete der Arzt gereizt aber wohlwollend und ließ den Patienten aus dem Zimmer schaffen, während dessen Tränen den Teppichboden orange färbten.